Qualität in der Pflege

Die Qualität in der Pflege ist häufig umstritten. Der Mittelweg zwischen medizinischer Notwendigkeit und dem Erfüllen sozialer Bedürfnisse durch eine angemessene Betreuung ist für Pfleger oft ein Spagat.

Für alle Pflegeleistungen sind Zeitspannen festgelegt, die bezahlt werden. Benötigt eine zu pflegende Person länger, arbeitet der Pfleger diese Zeit in der ambulanten Pflege unbezahlt. Ein Qualitätssicherungsgesetz soll gewährleisten, dass im Pflegebereich alle nötigen Betreuungen stattfinden können.

In stationären Pflegeeinrichtungen ist es Aufgabe des Qualitätsmanagements, dafür Sorge zu tragen, dass die Bewohner ein menschenwürdiges Leben verbringen können und in allen Punkten eine ausreichende, medizinische Versorgung erbringen.

Viele Bewohner von Pflegeeinrichtungen könnten ambulant gepflegt werden

Eine Studie, die von der Universität Witten/Herdecke (UW/H) im August 2014 veröffentlicht wurde, belegte, dass viele Menschen, die in Pflegeeinrichtungen untergebracht sind, Zuhause bleiben könnten, wenn die ambulante Pflege angepasst werden würde.

Eine vierjährige Studie, die in europäischen Ländern durchgeführt wurde, hat bewiesen, dass die Pflegequalität in den eigenen vier Wänden in etwa gleich ist mit einer stationären Betreuung. Prof. Meyer kam zum Ergebnis, dass europaweit die Bedingungen für eine Aufnahme in ein stationäres Pflegeheim optimiert werden müssten.

Die drei Hauptgründe, die zur Entscheidung führen würden, dass Demenzerkrankte in stationäre Einrichtungen untergebracht werden, wären Verhaltensauffälligkeiten, dass die Angehörigen bei der Pflege zu hoch belastet wären und die Probleme bei der Alltagsbewältigung. Die Universität Witten/Herdecke ist der Ansicht, dass die Kosten für eine ambulante Pflege bei einer Optimierung wesentlich geringer wären als bei einer stationären Unterbringung.

Damit die Pflegequalität erhalten bliebe, sollte das hierdurch gesparte Geld in den ambulanten Pflegebereich renvestiert werden.

Pflegequalität in der EU

Die Studie der UW/H zeigte, dass es innerhalb der EU starke Unterschiede gibt bei der Pflege von älteren Menschen. Freiheitsentziehende Maßnahmen werden besonders oft bei Demenzkranken in Spanien angewendet (knapp 83 %). Dahinter liegen Estland und Finnland mit 48 % bzw 40 %. Im Durchschnitt erfolgen solche Maßnahmen knapp 32 % in Europa.

Knapp 70% im Durchschnitt verabreichen Psychopharmaka der europäischen Pflegeeinrichtungen. Frankreich und Spanien liegen hier deutlich über dem Durchschnitt mit 90 % bzw 81 %. Ähnliche Ergebnisse zeigte diese Europastudie RTPC bei der ambulanten Pflege auf. Des Weiteren zeigte dieses Projekt, dass die Pflegequalität in Europa in allen Ländern ähnlich liegt und auch, dass die Lebensqualität Zuhause oder in einer stationären Einrichtung keine großen Unterschiede aufweist.

Allerdings zeigen sich bei der Beobachtung der Lebensqualität in den europäischen Ländern große Differenzen. In Estland und Spanien wurde diese als am niedrigsten eingestuft, in England und Schweden am Höchsten.

Qualität in der Pflege in Deutschland

Um die Qualität in der Pflege zu erhöhen, wurden Pflegemaßnahmen pauschal berechnet und festgelegt, die bei einer ambulanten oder stationäre Pflege berücksichtigt werden können. Die Pflegestandards werden allgemein anerkannt in Deutschland, teilweise werden nationale Expertenstandards entwickelt, die in diesem Land zur Anwendung kommen.

Für diese gilt jedoch keine Rechtsverbindlichkeit. In Deutschland müssen festgelegte Mindestnormen eingehalten werden, die regelmäßig überprüft werden können. Die Pflegeplanung verläuft individuell und ist abhängig von den Pflegebedürftigen, medizinischen Gutachten und der wirtschaftlichen Lage. Es wird unterschieden zwischen einer externen und internen Qualitätssicherung.

Externe Qualitätssicherung in der Pflege

Die Qualitätskriterien werden geprüft von neutralen Personen oder Institutionen, die in keiner Einrichtung fester Bestandteil sind. Pläne zur Optimierung der Patientenpflege, die Prüfung zur Durchführbarkeit und die Einstufung der möglichen Pflegemaßnahmen werden von dem MDK geprüft.

Dieser medizinische Dienst der Krankenkasse arbeitet nach den geltenden Qualitätsstandards. Regionale Qualitätsarbeitsgemeinschaften mehrere Einrichtungen, Heimaufsicht und MDK überwachen die Pflegequalität.

Interne Qualitätssicherung

Die Pflegekräfte innerhalb einer Einrichtung sichern die Pflegequalität und definieren die Kriterien, die hierbei berücksichtigt werden müssen. Ziele, die zur Verbesserung der Qualität in der Pflege führen sollen, werden mit der Leitung der Pflegeeinrichtung zusammen festgelegt. Fachwissen, Erfahrung, Verantwortungsgefühl und neue Ideen sollen bei der internen Qualitätssicherung dazu führen, dass Mitarbeiter effizienter arbeiten können und die pflegebedürftigen Menschen sowohl medizinisch gut versorgt sind, als auch einen guten Lebensstandard gesichert haben.

Im 11. Sozialgesetzbuch werden Regelungen festgelegt, die speziell auf die Qualität der Pflege älterer Menschen ausgerichtet ist. Diese haben zusammen mit dem in Deutschland gültigen Heimgesetz volle Rechtswirksamkeit. Werden Verstöße festgestellt, so können pflegebedürftige Menschen oder Angehörige eine Überprüfung durch die Heimaufsicht oder den MDK veranlassen und mit Rechtsmitteln gegen entsprechende Pflegeeinrichtungen vorgehen.