Pflegekosten

Die Pflegekosten für pflegebedürftige Menschen liegen oft höher, als die Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Oft ist unklar, welche Kosten generell übernommen werden und ob es möglich ist, dass nötige Pflegemaßnahmen erfolgen können, wenn die tatsächlichen Kosten zur Pflege höher liegen.

Wie werden die gezahlten Pflegesätze berechnet?

Die Berechnung von Pflegesätzen erfolgt pauschal und nicht individuell. Hauptausschlaggebend ist die Einstufung in eine Pflegestufe. Diese belaufen sich von Stufe 0 bis Stufe 4. Pflegestufe 4 wird nur bei Vorliegen eines Härtefalles zugeteilt. Geplant ist eine Abänderung in fünf unterschiedliche Pflegekategorien, damit auch Pflegebedürftige, die zwar körperlich in vielen Bereichen noch selbstständig sind, aber durch andere Erkrankungen wie beispielsweise Demenz, besser unterstützt werden können.

Belaufen sich die nötigen Pflegekosten höher als die gezahlten Kosten durch die Krankenkasse, müssen die Angehörigen erstes Grades oder das Sozialamt Kosten anteilig übernehmen. Hat der Pflegebedürftige eine private Pflegeversicherung abgeschlossen, so übernimmt diese nach Vorlage von ärztlichen Attesten sowie Bescheinigungen durch die Krankenkasse, Kosten. Stationäre Aufenthalte werden von der Krankenkasse nicht vollständig übernommen.

Je nach Pflegestufe werden zwischen 1023 und 1950 Euro bei einer stationären Unterbringung gezahlt. Verwandte ersten Grades sind laut Gesetz dazu verpflichtet, bei einer Pflegebedürftigkeit der Eltern finanzielle Kosten zu übernehmen, wenn diese nicht vollständig von der Krankenkasse übernommen werden.

Bei der ambulanten Pflege werden ebenso pauschal festgelegte Pflegesätze gezahlt, die von der vorhandenen Pflegestufe abhängen. Hier wird unterschieden zwischen der ambulanten Pflege durch Angehörige und der Betreuung von einem Pflegedienst. Die Krankenkasse übernehmen die Kosten bei einer ambulanten Pflege oft in vollem Umfang, wenn diese nötig ist, um einen Aufenthalt im Krankenhaus zu vermeiden.

Ist eine Pflege Zuhause möglich, aber Umbaumaßnahmen erforderlich, wie beispielsweise bei Personen im Rollstuhl, können diese Kosten ebenso übernommen werden. Pflegekosten, die nicht durch die Krankenkasse übernommen werden, werden in der Regel vom Sozialamt übernommen.

Dieses überprüft die Kinder der pflegebedürftigen Person auf Zahlungsfähigkeit und berechnet eine eventuelle Kostenbeteiligung. Eine private Pflegeversicherung übernimmt Kosten für Umbaumaßnahmen einer Wohnung nur, wenn das Sozialamt diese Kosten nicht, oder nur teilweise, übernimmt. Bei einer stationären Unterbringung wird das Einkommen der pflegebedürftigen Person berücksichtigt, bevor andere Träger Kosten übernehmen.

Gerd Meyer hat für seine pflegebedürftige Mutter eine ambulante Pflege beauftragt:

„Meine Mutter hatte einen Schlaganfall erlitten und ist seitdem nicht mehr fähig, den Alltag alleine zu bewältigen. Mit meinen 54 Jahren steh ich noch voll im Berufsleben und habe eine Ehefrau und Kinder, sowie ein Enkelkind, um die ich mich kümmern muss.

Als meine Mutter im Krankenhaus war, bin ich nach meiner Arbeit bei ihr vorbeigefahren. Meine Mutter hat sich nicht vollständig von ihrem Schlaganfall erholt. Sie kann einen Arm nicht mehr bewegen, kann nicht mehr richtig lesen und schreiben und das Sprachzentrum wurde schwer getroffen. Ich merke zwar, dass sie mich versteht, aber sie kann sich nur sehr schwer selbst ausdrücken.

Zum Laufen hat sie eine Gehhilfe, da sie ein Bein nicht mehr richtig bewegen kann. Ich bin froh, dass sie den Schlaganfall überhaupt überlebt hat, aber sie ist seither stark eingeschränkt und braucht für viele Dinge Unterstützung. Sie wohnt in Marienfelde und ich in Charlottenburg, sodass ich nicht die Zeit dafür habe, mehrfach täglich zu ihr zu fahren, um mich um sie zu kümmern.

Meine Tochter wohnt zwar in ihrer Nähe, hat allerdings selbst viel zu tun mit ihrer eigenen kleinen Familie. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass ich es nicht über mich bringe, sie zu waschen und dass es mich psychisch stark belastet, sie so zu sehen.

Nach einer längeren Besprechung mit meiner Frau und meinen Kindern haben wir uns für einen ambulanten Pflegedienst entschieden. Zuerst dachten wir über eine stationäre Unterkunft nach, aber wir wollten es vermeiden, sie aus ihrer gewohnten Umgebung herauszunehmen. Dazu kommen die Kosten, die wir hätten übernehmen müssen. Die Kosten, die die Krankenversicherung übernommen hätte, und ihre Rente, hätten nicht gereicht, um eine stationäre Unterkunft zu bezahlen.

Ich hätte fast 1000 Euro monatlich dazuzahlen müssen. Die ambulante Pflege wird vollständig übernommen durch die Krankenkasse und ich bezahle eine Haushaltshilfe, die zwei Mal in der Woche zu ihr geht und ihre Wohnung reinigt.

Meine Tochter kocht mittags für meine Mutter mit und eine Pflegerin gibt ihr das fertige Essen. Frühstücken und Abendessen kann sie glücklicherweise alleine. Am Wochenende besuchen wir meistens meine Mutter und gehen mit ihr etwas raus. Bei anstehenden Arztterminen und Therapien sprechen wir uns innerhalb der Familie ab, dass sie begleitet wird und diese Termine wahrnehmen kann.

Dadurch, dass wir das alles etwas aufgeteilt haben, kann ich sagen, dass ich ein ruhiges Gewissen habe und sich gut um sie gekümmert wird. Allerdings frage ich mich, wie es älteren Menschen gehen muss, die nicht das Glück haben, dass sich die Famlie so gut absprechen und koordinieren kann und bin der Meinung, dass die Berechnung der Pflegekosten und der Pflegestufen zu wünschen übrig lässt.

Nachdem ich mich da nun genauer damit befasst habe, hoffe ich echt, dass meine Frau, und ich selbst, niemals pflegebedürftig werden.“