Demenz – 24 Stunden Pflege mit besonderen Herausforderungen

Will man sich der Herausforderung häuslicher Pflege eines Angehörigen stellen, dann heißt dies, dass man oftmals die Versorgung schwerer körperlicher Gebrechen übernehmen muss. Doch wer sich zur Pflege eines demenzkranken Menschen entschlossen hat, der muss sich einer Pflege stellen, die zur Daueraufgabe mit besonderen Ansprüchen werden kann.

Die Pflege eines Demenzkranken kann zum 24-Stundenjob werden, wenn man sich nicht auf fremde Hilfe verlassen will. Die Veränderung kann schon früh kommen, sodass der Mensch noch körperlich sehr aktiv sein kann, aber die geistige Veränderung sorgt dafür, dass man faktisch wieder ein Kind beaufsichtigen muss. Doch dieses Kind glaubt immer noch, dass es geistig vollkommen auf der Höhe ist, sodass es wichtig sein kann, die Demenz frühzeitig vom Arzt erkennen zu lassen.

Demenz kann die unangenehmen Eigenschaften eines Menschen enorm verstärken und auch ein starker Eigensinn kann eintreten, der die Pflege sehr anstrengend machen kann. Hat man schon als Kind unter einer starken Mutter gelitten, so sollte man sich die Pflege dieser Person sehr genau überlegen, denn was als Kind noch erträglich empfunden wurde, dass kann durch die Demenz so verstärkt werden, dass ein eigenes Leben vollkommen für viele Jahre ausgeschaltet sein kann.

Je weiter die Demenz fortschreitet, um so mehr sollte man sich von einer normalen Tagesplanung verabschieden, denn der Demenzkranke braucht nur kurze Schlafphasen und dafür wird wortwörtlich die Nacht zum Tag. Da möchte die Mutter vielleicht nachts um vier ihr Mittagessen kochen oder nachts um drei zieht sich der Kranke an, weil er glaubt, jetzt ist die Zeit, um zur Arbeit zu fahren.

Hier sollte man immer zur Stelle sein, denn verlässt der Demenzkranke das Haus, so kann dies zu einer großen Gefahr werden, denn der Kranke wird keine Gefahrenquellen erkennen. Selbst das früher so selbstverständliche Kochen kann zur Gefahr werden, denn der Herd kann ist eine Quelle für Fehlentscheidungen, wenn man nicht mehr die Kontrolle über alle Knöpfe und Funktionen hat. Da kann die Portion für die Mikrowelle auch mal in der Spülmaschine landen und für den Salat wird Spülmittel als Dressing verwendet. Doch sollte man sich nicht auf Diskussionen mit dem Kranken einlassen, denn er glaubt, dass er alles immer richtig gemacht hat. Generell sollte man immer auf alle Wasserhähne achten, vor allem auch auf alle Elektrogeräte, denn leicht können Brände entstehen, wenn der Demenzkranke die Funktionen dieser Geräte austesten will.

Bei der Pflege eines Demenzkranken sollte man starke Nerven behalten und nie den Mut verlieren. So wird gerne mal ein Geschirrhandtuch für die Trocknung des Analbereichs genommen oder Fäkalien landen neben der Toilette, wenn der Kranke noch die Toilette benutzen kann. Deshalb gehören zur Grundausrüstung eines Pflegenden immer die Einmalhandschuhe, die man auch im Erste Hilfe Kasten im Auto finden kann.

Natürlich ist es von existenzieller Wichtigkeit, dass man den Kranken immer im Auge behält, denn ansonsten kann es passieren, dass Putzmittel getrunken oder zu viele Tabletten genommen werden. Und gehen immer mehr Fähigkeiten verloren, so sollte man das Telefon unter Verschluss halten, wenn man nicht hohe Telefonrechnungen haben möchte. Wie bei einem Kleinkind, dass alles in den Mund nehmen muss, so sollte man bei einem Demenzkranken alle Schränke gut verschließen, wenn hier Dinge gelagert werden, die nicht in den Mund gehören und nicht geschluckt werden sollten.

Auch die Haustür sollte man verschlossen halten, denn in Zeiten, wo Trickbetrüger und Abo-Werber sich über ältere Menschen freuen, da kann ein Demenzkranker, der noch seinen Namen schreiben kann, zum Freiwild werden. Hier wird der Vorteil ausgenutzt, dass dieser Mensch oftmals gar nicht erkennt, hier einem fremden Menschen gegenüber zu sitzen, stattdessen wird dieser Mensch als ein Vertrauter erkannt.

Möchte man nicht einen Menschen haben, der den ganzen Tag sprachlos im Sessel sitzt und nur manchmal lichte Momente hat, dann muss das Gedächtnis und das Gehirn des Demenzkranken immer trainiert werden. Da heißt aber auch, dass man viele Stunden auf einen Menschen einreden muss, der vielleicht gar nicht antworten wird. Schreitet die Demenz fort, dann sollte man umso mehr auf ein Gespräch bauen, auch wenn man Geschichten aus der Vergangenheit immer wieder hören muss.

Geht dann die Vergangenheit noch verloren, dann kann es zu Sprachverwirrungen kommen, denn der Kranke wird Worte oder Sätze sagen, die er als ganz normales Deutsch empfindet, die der Zuhörer aber nicht verstehen kann. Antwortet das Gegenüber dem Kranken dann aber nicht auf seine vermeintlichen Fragen, so kann dies große Verärgerung auslösen.

Generell sollte man bei verbalen Ausbrüchen eines Demenzkranken immer die Ruhe bewahren, denn für ihn scheint die Welt vollkommen normal und wie immer zu sein. Aber die Außenstehenden können nur die Veränderungen wahrnehmen und sie werden in vielen Situationen für den Kranken so handeln, dass viele Wutausbrüche vorprogrammiert sein können.

So entstehen viele Extremfälle im Alltag, die man nur mit Ruhe und Entschlossenheit überstehen kann. Haben Sie einen Menschen vor sich, der im fortgeschrittenen Zustand der Demenz am Tag 500 mal dasselbe Wort ruft und sie dann ganz erwartungsvoll anschaut, weil er ja glaubt, er habe einen ganz normalen Satz gesagt, dann kann es immer wieder zu Situationen kommen, in denen der Pflegende glaubt, dass er selber nicht mehr klar denken kann.

Für eine Einzelperson ist es fast unmöglich, wenn sie diese Pflege alleine schaffen will. Aber man wird immer wieder belohnt, wenn zwischendurch der Demenzkranke lichte Momente hat und Sätze kommen, die von der Dankbarkeit für die Pflege handeln. Doch eine Stelle für die Tagespflege kann hilfreich sein und so muss man nur die Nächte mit der Pflege verbringen. Der Demenzkranke braucht sein gewohntes Zuhause und so ist eine Pflege in einer Familie immer die beste Lösung, wenn immer ein vertrauter Mensch sich um den Kranken kümmern kann.

Demenz ist eine Krankheit, die jeden Menschen ereilen kann und in einer Zeit, wo die Menschen immer älter werden, da wird es auch immer mehr Menschen geben, die unter dieser Krankheit leiden. Natürlich ist die Pflege eines solchen Menschen eine Herausforderung, aber wer sein Leben gut organisiert und keine Angst vor einer geistigen Veränderung eines geliebten Menschen hat, der wird erkennen, dass dies eine Lebensaufgabe sein kann, die man als Bereicherung des Lebens gut meistern kann.