Demenz

In zunehmendem Alter steigt die Vergesslichkeit. Je nach Alter ist eine gewisse Vergesslichkeit von einigen Dingen durchaus normal und fällt unter den Begriff „Altersvergesslichkeit“. In einigen Fällen geht die Vergesslichkeit darüber hinaus und führt dazu, dass der Alltag alleine nicht mehr bewältigt werden kann. In diesem Fall ist es möglich, dass eine Demenz vorliegt.

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Was ist eine Demenz?

Der Begriff „Demenz“ hat lateinischen Ursprung und bedeutet wörtlich übersetzt: “ ohne Geist“. Viele degenerative Erkrankungen werden unter diesem Fachbegriff zusammengefasst. Die am Häufigsten auftretende Demenz ist die Alzheimer Demenz, gefolgt von der Vaskulären Demenz.

Knapp 55 weitere Erkrankungen zeigen Krankheitsverläufe mit Demenzsymptomen oder werden unter dem Oberbegriff Demenz zusammengefasst, die allerdings wesentlich seltener auftreten als Alzheimer oder die Vaskuläre Demenz, wie Lewy-Body-Demenz, Morbus Pick oder Wernicke-Korsakow-Syndrom.

Viele Faktoren begünstigen eine auftretende Demenz im höheren Alter und durch eine frühzeitige Erkennung kann die Demenz behandelt werden. Allerdings ist eine Demenz nicht heilbar, der Verlauf kann aber hinausgezögert werden.

Unterschiedliche Demenztypen

Je nachdem, unter welcher Demenzform ein Mensch leidet, unterscheidet sich der Krankheitsverlauf. Gemeinsam haben die Demenzerkrankten, dass Zellen im Gehirn angegriffen und zerstört werden. Hierdurch kann es zu Schädigungen der Motorik und des Sprachzentrums kommen und das Gedächtnis wird beschädigt.

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Bei der Alzheimer Demenz ist der Gedächnisverlust am Ausgeprägtesten. Das Kurzzeitgedächtnis wird im Verlaufe der Krankheit schlechter und kann dazu führen, dass Erkrankte Situationen vergessen, die erst wenige Tage her waren. Alltägliche Arbeiten wie beispielsweise Kochen kann eine Gefahr für Demenzerkrankte darstellen, da Betroffene vergessen können, dass sie überhaupt am Kochen sind und der Herd nicht ausgeschaltet wird.

Typisch für an Alzheimer-Demenz-Erkrankten sind weiterhin eine zentrale Sprachstörung (Aphasie), Abstraktionsstörungen, Störungen in den Bewegungsabläufen und im Verwenden unterschiedlicher Gegenstände (Apraxie), Schwierigkeiten im Erkennen bekannter Umgebungen oder Personen (Agnosie) und eine Assessmentstörung. Bei der Vaskulären Demenz stehen Unterbrechungen der Hirndurchblutung im Vordergrund.

In vielen Fällen ist es so, dass Betroffene kleinere, teilweise unbemerkte, Schlaganfälle erlitten haben, durch die die Durchblutung zum Gehirn unterbrochen wurde. In den meisten Fällen sind daraus resultierende Folgen Stimmungsschwankungen, Epilepsie, Sprachprobleme, Gedächtnisstörungen und Lähmungen.

Diese Form der Demenz wird auch Multi Infarkt-Demenz genannt. Unter dem Wernicke-Korsakow-Syndrom wird eine Erkrankung verstanden, die demenzähnlich im Endstadium wird. Bei dieser Form sind Teile des Gehirns durch Alkoholkonsum geschädigt, die das Gedächtnis negativ beeinflussen und auch die alltägliche Handlungsfähigkeit einschränken.

Bei der Lewy-Body-Demenz wird das Gehirn geschädigt durch Eiweißablagerungen. Die belagerten Bereiche werden hierdurch in ihrer Funktion eingeschränkt und führen zur eingeschränkten Gedächtnisleistung und Handlungsfähigkeit. Bei dieser Form treten die Symptome nur phasenweise auf, sodass es passieren kann, dass Erkrankte dieser Demenzform an einigen Tagen massive Probleme haben, kleinste Aufgaben zu bewältigen, an anderen die selben Aufgaben hingegen gut gelöst werden können.

Unter der Bezeichnung „Morbus Pick“ werden die Demenzgruppen verstanden, bei denen im Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns Nervenzellen zerstört werden.

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Dies hat drastische Veränderungen der Persönlichkeit zur Folge. Demenzartige Symptome treten oft in Zusammenhang mit der Parkinsonkrankheit auf. Bei Betroffenen, die an schweren Formen der Parkinsonkrankheit leiden, treten neben Versteifungen, Bewegungsstarre und Zittern in einigen Fällen Gehirnschädigungen auf, die denen von Demenzerkrankten ähnlich ist.

Umgang und Pflege von Demenzkranken

Menschen, die an einer Demenzerkrankung leiden, zu pflegen, ist nicht einfach und sehr nervenaufreibend. Angehörige geraten sehr schnell an die eigenen Grenzen und haben oftmals Probleme mit den Symptomen richtig umgehen zu können. Das Nachlassen geistiger und motorischer Fähigkeiten kann dazu führen, dass in schweren Verläufen die demenzerkrankte Person bettlägerig und inkontinent ist und Probleme damit hat, enge Vertraute zu erkennen.

Die Emotionen bleiben vom Verlauf der Krankheit allerdings unberührt. Demenzerkrankte verspüren positive Emotionen genauso wie negative, können aber sehr oft Situationen nicht richtig einschätzen. Es kann beispielsweise sein, dass das Anziehen einer Hose zu einem Wutausbruch führen kann, wenn die erkankte Person es nicht schafft, diese alleine anzuziehen. Oft ist hierfür eine gestörte räumliche Vorstellung oder fehlende motorische Fähigkeiten der Grund.

Jemand, der eine demenzerkrankte Person so pflegen möchte, benötigt Feingefühl und eine genaue Vorstellung davon, inwieweit Hilfe geleistet werden muss, ohne die Würde des erkrankten Menschen zu verletzen. Viele alltägliche Erledigungen können nicht mehr ohne Hilfe umgesetzt werden, da das Gehirn zu beschädigt ist, die nötigen Verbindungen herzustellen.

Daher kann es passieren, dass Erkrankte Treppen runterfallen, da der Gleichgewichtssinne gestört ist, oder dass einfache Geräte nicht mehr bedient werden können, da die betroffene Person vergessen hat, was sie damit anfangen soll. Feste Tagesstrukturen und Abläufe spielen eine sehr wichtige Rolle im Leben der an Demenz leidenden Senioren.

Orientierungslosigkeit in bekannten und unbekannten Umgebungen, Probleme beim Erkennen unbekannter und vertrauter Menschen, Gedächtnislücken an Ereignisse, die nicht lange zurückliegen oder Störungen im Langzeitgedächtnis, Probleme beim Sprechen und das Ersetzen falscher Wörter beim Erzählen und Nachlassen der Fähigkeit selbstständig zu essen, sind gravierende Probleme, mit denen sowohl die Betroffenen, als auch die Angehörigen, umgehen lernen müssen.

Wichtige Punkte, die bei der Pflege von Demenzkranken zu beachten sind:
Sicherheit

Demenzkranke Menschen realisieren nicht, wenn sie sich selbst in Gefahr bringen. Je nach Schwere der Krankheit ist es wichtig, dass jemand in der Nähe des Erkrankten ist, der auf das aufpasst, was die erkrankte Person tut. Ist die Motorik geschädigt und der Gleichgewichtsinn gestört, muss darauf geachtet werden, dass der Erkrankte nicht alleine Treppen steigt oder auf die Straße geht.

Ist das Kurzzeitgedächtnis stark geschädigt, kann es gefährlich werden, wenn der Erkrankte sich in der Küche etwas kochen möchte, da es möglich ist, dass nach wenigen Minuten vergessen wird, dass Essen auf dem Herd brodelt.

Bewegung

Apathisches Sitzen, ständiges Liegen oder sich kaum zu bewegen ist nicht gut für ältere Menschen. Gymnastik, spazieren gehen oder andere, regelmäßige Bewegung ist gut und wichtig, soweit es körperlich machbar ist.

Aktive Unterstützung

Um die Würde zu wahren, ist es wichtig, in der Pflege darauf zu achten, dass keine Aufgaben abgenommen werden, die der Demenzerkrankte selbst bewältigen kann. Hilfestellungen in Bereichen, an denen Unterstützung benötigt wird, sollten gegeben werden. Es ist möglich, dass der an Demenz erkrankte Mensch mehrfach erinnert werden muss, was er eigentlich gerade am machen ist. Die kann anstrengend sein, aber es ist ein Erfolgserlebnis, Handlungen fertigstellen zu können.

Kommunikation

Es ist wichtig, dass das Gehirn gefordert wird im Rahmen des Möglichen. Biografien sollten immer wieder aufgefrischt werden, einfache Gespräche geführt werden und das Pflegen sozialer Kontakte ist sehr wichtig. Auch wenn komplizierte Gespräche nicht immer möglich sind oder vieles wieder vergessen wird, so hat der Demenzerkrankte dennoch Emotionen, die positiv beeinflusst werden können.

Durch die eigenen Schwächen und Einschränkungen leidet eine demenzerkrankte Person oft unter Angstzuständen, in einigen Fällen auch Wahnvorstellungen oder Halluzinationen. Umso schöner und angenehmer ist es, wenn vertraute Menschen dazu beitragen können, dass sich der erkrankte Mensch wohl, gebraucht, geborgen und sicher fühlt.

Ernährung

Unterstützung bei der Ernährung ist meistens erforderlich. Zum Einen, damit der Demenzerkrankte nicht vergisst zu essen und zum Anderen ist es in einigen Fällen problematisch zu schlucken. Bei fortgeschrittenen Verläufen ist es manchmal der Fall, dass eine normale Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich ist und die Versorgung über eine Magensonde erfolgt.

Hygiene

Oft benötigen demenzerkrankte Menschen Hilfe bei der Körperpflege. Die einen sind in der Lage, Zähne zu putzen und sich zu waschen, andere bekommen es nur noch hin, sich die Haare zu bürsten oder können selbstständig nichts davon. Aktiv sollte unterstützt werden bei der Körperhygiene und die Aufgaben übernommen werden, die der Erkrankte nicht mehr selbst erledigen kann.

Für Angehörige kann dies sehr anstrengend sein, da Demenzkranke in einigen Fällen inkontinent sind.

Dass die Pflege von Demenzerkrankten auch für Pfleger anstrengend sein kann, erzählt Sandra Klein:

„Ich arbeite in einem Pflegeheim und wir haben viele Patienten, die demenzkrank sind. Oft kommen die Patienten zu uns, wenn die Angehörigen ausgelaugt und an ihren Grenzen sind. Mir macht mein Beruf Spaß, aber manchmal bin ich sehr kaputt und gestresst. Wir haben zu wenig Personal, weil viele diesen anstrengenden Pflegeberuf nicht machen möchten.

Offene Stellen hätten wir genug und wir freuen uns über jeden Praktikanten, der uns unterstützt. Bei der Betreuung von Demenzkranken ist manchmal meine Geduld auf die Probe gestellt. Einige haben extreme Wutausbrüche und werfen zum Beispiel ihr Essenstablett quer durchs Zimmer, andere sind orientierungslos und wir müssen extrem aufpassen, dass sie nicht einfach die Einrichtung verlassen und auf die Straße laufen.

Besonders neue Patienten, die an Demenz erkrankt sind, haben es manchmal schwer, sich einzugewöhnen. Gute Erfahrungen haben wir damit gemacht, wenn vertraute Gegenstände mitgebracht werden. Immer wieder erleben wir, wie Angehörige in Tränen ausbrechen, wenn der demenzkranke Angehörige seine engsten Verwandten nicht direkt erkennt oder verwechselt.

Der Umgang mit Demenzerkrankten ist ein schmaler Grad zwischen aktiver Hilfe und Unterstützung der eigenen Möglichkeiten des Patienten. Es ist schön, wenn unsere Patienten oft besucht werden, da viele sich sehr zurückziehen und trauern. Nach den Besuchen wirken viele oft entspannter, ruhige und gut gelaunt.

Mir macht es Spaß, wenn ich es schaffe, eine demenzerkrankte Person zum Lächeln zu bringen durch Kleinigkeiten wie beispielsweise das erfolgreiche, gemeinsame Ausmalen eines Bildes oder ein Spaziergang in unserem Garten. Wir versuchen unsere Patienten zu Aktivitäten zu ermuntern, dass sie solange es ihnen möglich ist, an einem menschenwürdigen Leben teilnehmen können.

Leider fehlt mir oft die Zeit, mich intensiv um die Patienten zu kümmern und nicht immer schaffe ich es, nach Feierabend abzuschalten.“