Ambulante Pflege zu Hause

Durch schwere Schicksalsschläge oder Krankheiten kann es passieren, dass ein Mensch, der problemlos im Alltag alleine zurechtgekommen ist, Unterstützung benötigt. Dies kann auch bei zunehmendem Alter der Fall sein, ohne dass schwerwiegende Erkrankungen vorliegen. Für Betroffene und Angehörige stellt sich dann die Frage, ob eine Unterstützung und Pflege zu Hause möglich ist oder eine Unterbringung in eine Einrichtung die bessere Alternative ist.

Die meisten Menschen möchten solange es möglich ist, in ihren eigenen vier Wänden bleiben oder bei Angehörigen gepflegt werden. Die meisten Pflegebedürftigen lehnen eine Unterbringung in einer stationären Einrichtung ab, da sie davor Angst haben, sich abgeschoben und unwichtig fühlen oder einfach in ihrer gewohnten Umgebung bleiben möchten.

Angehörige versuchen ebenfalls oft darauf zu achten, dass sie pflegebedürftige Verwandte bei sich Zuhause betreuen können oder dass diese in ihrem eigenen Haushalt bleiben können. Enge Bezugspersonen von pflegebedürftigen Menschen sehen die Unterbringung in eine stationäre Einrichtung als letzte Option.

Wenn Sie sich für eine ambulante Pflege entscheiden, treten viele Fragen auf:

Organisation: Wie ist eine ausreichende Betreuung und Pflege umsetzbar und mit dem Alltag Angehöriger zu vereinen?

Pflege: Sind Angehörige in der Lage, die Betroffenen zu waschen oder beim Duschen und Ankleiden ausreichend zu unterstützen? Kann bei bestehender Inkontinenz Windeln oder Urinbeutel gewechselt werden?

Ernährung: Können Angehörige sich ausreichend darum kümmern, dass die Pflegebedürtige Person genug und ausgewogen isst und trinkt?

Haushalt: Kann sichergestellt werden, dass eine ausreichende Unterstützung im Haushalt umgesetzt wird?

Medizin: Können Angehörige Arzttermine und verschriebene ärztliche Maßnahmen wie Dialyse- oder Therapietermine begleiten und sich um eine notwendige medikamentöse Versorgung kümmern?

Freizeit: Haben Angehörige genug Zeit, mit pflegebedürftigen Personen Zeit zu verbringen oder für genug Bewegung an der frischen Luft zu sorgen?

Finanzen: Welche Kosten können übernommen werden?

Dies sind nur einige der zahlreichen Fragen, die sich Betroffene und Angehörige stellen, wenn eine Pflegebedürftigkeit entsteht.

Ambulante Pflege durch Angehörige

Wenn Familienmitglieder sich um die Pflege einer im Alltag eingeschränkten Person kümmern möchten, sollte sich gut überlegt werden, ob die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen abgedeckt werden können. In manchen Fällen ist es sehr zeitaufwendig, sich um die ambulante Pflege selbst zu kümmern.

Finanzielle Unterstützung kann durch das Feststellen einer Pflegestufe erfolgen. Abhängig von der Pflegestufe zahlt die Kranken- und Pflegekasse monatlich einen Fixbetrag, der die Pflegekosten abdecken soll. Für eine Pflege durch Angehörige liegen die gezahlten Sätze nicht so hoch wie durch die Pflege durch anerkannte Pflegeeinrichtungen.

Hinzu kommt, dass nicht alle Bedürfnisse einer pflegebedürtigen Person angerechnet werden zur Pflegestufe. Manchmal ist eine Kombination aus hauswirtschaftlicher Betreuung, Pflege durch eine Institution und Betreuung durch Angehörige eine gute Lösung für eine gute ambulante Pflege. Übernehmen Angehörige die alleinige Betreuung eines pflegebedürftigen Menschen, kommt es oft vor, dass diese schnell an ihre Grenzen stoßen.

Manchmal ist dies der Fall, weil das eigene Privatleben komplett untergeht, da die meiste Freizeit damit verbracht wird, sich um die pflegebedürftige, geliebte Person zu kümmern. In vielen Fällen ist es aber auch so, dass Angehörige schnell nervlich am Ende sind, da sie mit der Pflege überfordert sind.

Ambulante Pflege durch Pflegeeinrichtungen

Es ist oft sinnvoll, die Pflege von Angehörigen an eine Pflegeeinrichtung abzugeben. Pflegeinstitutionen können zuverlässig tägliche Bedürfnisse abdecken, die zur Grundpflege gehören. Ausgebildet Pfleger und Pflegerinnen stehen den Pflegebedürftigen zur Seite bei der Körperhygiene, beim Ankleiden, können dafür sorgen, dass Erkrankte zu ihren ärztlich versorgten Therapien gebracht werden und stellen sicher, dass die Pflegebedürftigen genug essen und trinken.

Dies stellt für viele Angehörige eine große Entlastung dar, da sie ihr eigenes Privat- und Arbeitsleben nicht stark einschränken müssen, damit pflegebedürftige Verwandte gut versorgt sind. Anfallende Aufgaben im Haushalt können durch eine Hauswirtschaftskraft übernommen oder unterstützt werden, wenn die Angehörigen dies nicht können.

Durch professionelle Unterstützung können sich Angehörige voll und ganz darauf konzentrieren, dass sie mit der pflegebedürftigen Person etwas unternehmen oder sich um Freizeitaktivitäten kümmern. Ebenso kann eine Pflegeeinrichtung bei Angelegenheiten mit Behörden und Ämtern helfen, da in diesen Bereichen sowohl die Betroffenen selbst als auch die Angehörigen oft nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen oder wie sie Formulare richtig ausfüllen.

Sie sollten darauf achten, dass sie sich an eine Pflegeeinrichtung wenden, die qualifiziertes Personal beschäftigt und Wert auf einen respektvollen und menschlichen Umgang mit Pflegebedürftigen legt. Viele Menschen machen negative Erfahrungen mit Pflegeeinrichtungen, da die Beschäftigten oft selbst gestresst sind oder menschenunwürdig mit Kunden umgehen.

Bevor Sie eine Einrichtung mit der Pflege beauftragen, sollten Sie sich ein Bild von dem Unternehmen machen und auf den Umgang achten. Wichtig ist ebenso Zuverlässigkeit, damit die übernommenen Aufgaben zu den vereinbarten Zeiten durchgeführt werden. Vor Allem für ältere Menschen ist eine Tagesstruktur mit gewohnten und regelmäßigen Abläufen wichtig.

Ein guter Pfleger weiß, dass eine aktive Hilfe und Unterstützung würdevoller ist, indem pflegebedürftige Personen weiterhin die Aufgaben selbst ausführen, zu denen sie selbstständig in der Lage sind. Übernimmt eine Pflegekraft auch diese Aufgaben, kann es passieren, dass der zu betreuende Mensch sich wertlos und bevormundet fühlt und immer passiver wird.

Ein positiver Umgang zwischen Pfleger und Patient ist sehr wichtig, um eine Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen. Wenn Sie selbst pflegebedürftig sind und sich unwohl fühlen in der Gegenwart einer Pflegefachkraft, ist es wichtig, dass Sie sich mitteilen. Jederzeit haben Sie die Möglichkeit, einen Pfleger abzulehnen, wenn dieser seine übernommen Aufgaben nicht erfüllt oder Sie respektlos behandelt.

Sind Sie Angehöriger einer pflegebedürftigen Person, sollten Sie sich regelmäßig erkundigen, ob Ihr Angehöriger zufrieden ist mit seiner Pflegekraft und auf das allgemeine Verhalten achten, um rechtzeitig zu erkennen, ob alles in Ordnung ist. Seriöse Pflegeeinrichtungen kümmern sich umgehend darum, wenn Probleme auftreten und gehen solchen Beschwerden nach, da diesen das Wohl der Pflegebedürftigen und ein respektvoller Umgang am Herzen liegen.

Torsten, 54 Jahre, hat einen Pflegedienst für seine pflegebedürftige Frau zur Unterstützung an seiner Seite, aber nicht von Anfang an lief es problemlos:

“ Vor drei Jahren rief meine Frau mich auf der Arbeit an und teilte mir mit, dass sie sich komisch fühlt. Ich habe festgestellt, dass ihre Aussprache sehr undeutlich war, habe mir aber erstmal nichts dabei gedacht. Sie wollte sich etwas hinlegen, rief mich allerdings erneut eine halbe Stunde später an und sagte mir, dass sie einen Finger nicht mehr richtig bewegen kann.

Ich habe sie wesentlich schlechter verstanden als beim Telefonat davor und mich sofort auf den Weg heim gemacht. Sie war irgendwie ziemlich komisch und ich habe sie ins Krankenhaus gebracht. Dort stellte sich heraus, dass sie einen Schlaganfall erlitten hat.

Niemals hätte ich damit gerechnet, dass sie mit ihren damals 42 Jahren, einen Schlaganfall haben könnte. Kurz darauf folgte ein zweiter Schlaganfall und durch diesen war sie halbseitig gelähmt. Lesen und Schreiben konnte sie danach nicht mehr und auch das Sprechen war ihr kaum möglich.

Das war eine schlimme Zeit und ich wusste nicht, was ich für meine Frau tun kann. Sie war einige Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt in Reha und durfte wieder heim. Ich konnte mir in den ersten Tagen Urlaub nehmen nach ihrer Rückkehr, aber ich stellte fest, dass sie viele Dinge nicht mehr so konnte wie vorher.

Ich musste ihr bei den kleinsten Dingen helfen und sie war meistens schlecht gelaunt und hat viel geweint, weil sie so vieles nicht mehr hinbekommen hat. Die ersten Wochen konnte ich mich gut um alles kümmern und sie auch zu Untersuchungen bringen. Allerdings hatte ich zunehmend Probleme, mich auf meinen Job zu konzentrieren und mein Chef macht mir klar, dass ich nicht immer zwischendrin freinehmen kann, weil ich mich um meine Frau kümmern muss.

Also habe ich mich für eine ambulante Pflege durch ein Pflegeunternehmen entschieden. Da ich Druck von der Arbeit hatte, habe ich einfach eine Institution gewählt, die direkt Zeit hatte, sich um meine Frau zu kümmern. Meine Frau hatte zu der Zeit zwar schon einige Fortschritte gemacht mit dem Sprechen, allerdings war vieles nicht leicht zu verstehen und lesen und schreiben musste sie auch neu lernen.

Die Pflegerin, die ich damals kennengelernt hatte, erschien mir auf den ersten Blick in Ordnung. Anfangs lief auch alles gut, allerdings fiel mir nach einer Weile auf, dass meine Frau sich immer mehr zurückgezogen hatte und antriebslos wirkte. Ihre Fortschritte wurden immer langsamer und es hat bestimmt fast drei Monate gedauert, bis meine Frau mir mitteilen konnte, dass die Pflegerin in meiner Abwesenheit nicht wirklich nett mit ihr umgegangen ist.

Beim Ankleiden war sie sehr ungeduldig und wurde ihr gegenüber beleidigend und noch einige andere Dinge, die unschön waren. Nach einem Gespräch mit der Leitung hatte ich mich dazu entschieden, den Pflegedienst zu entlassen und habe mich nach neuen Pflegediensten umgesehen. In der Zeit hat sich unsere Tochter, die Semesterferien hatte, um meine Frau gekümmert und wir haben uns mehrere Pflegedienste in Ruhe angesehen, bis wir einen Pflegedienst gefunden hatten, der einen positiven Eindruck auf uns machte.

Besonders gut gefiel mir, dass die uns vorgestellte Pflegerin sehr positiv und herzlich mit meiner Frau umgegangen ist. Die ersten paar Tage blieben meine Tochter oder ich dabei, als diese kam. Sie hat meine Frau unterstützt in Bereichen, wo sie selbst Probleme hatte ohne sie zu demotivieren. Seit diese Pflegerin bei uns ist, hat meine Frau viele Fortschritte gemacht und ich kann wieder mit einem ruhigen Gefühl arbeiten gehen.

Mittlerweile kann sie wieder lesen und schreiben und sich verständigen. Ihre Bewegungsfähigkeiten haben sich auch verbessert, allerdings nicht soweit, dass sie ohne Hilfe klar kommt.“