Überforderung in der häuslichen Pflege

Überfordert: Wenn die Pflege zur untragbaren Last wird

Der beinahe unglaublich Anteil von mehr als 46 Prozent aller Pflegebedürftigen wird zu Hause gepflegt. Allein von den eigenen Angehörigen. Aktuell sind das rund 1,2 Millionen Menschen – und 1,2 Millionen Familienmitglieder, die oft ihre ganze Zeit und Kraft für die eigenen Angehörigen aufwenden. Nicht selten wird aber die Belastung manchmal einfach zu groß – etwa bei der Pflege von demenzkranken Eltern, die permanente Aufsicht brauchen, oder dort, wo die Pflegearbeit, die man zu Hause leistet, auch zur körperlichen Herausforderung wird.

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Mit der Mehrfachbelastung richtig umgehen

Pflegefall, Familie, Beruf und eigene Ziele – mit der Mehrfachbelastung umgehen

Die Anforderungen im Beruf und der anstrengende Alltag zuhause sind häufig schon mehr als genug zu stemmen. Kommt dann noch ein Pflegefall in der Familie hinzu, bleiben nicht nur die eigenen Ziele oftmals auf der Strecke. Dabei muss aber niemand zum erschöpften Versorger verkommen, wenn er Möglichkeiten der Hilfe kennt und nutzt.

Plötzlich Pflegefall

Ob Unfall oder Krankheit, wenn ein Familienmitglied zum Pflegefall wird, gilt es einiges zu beachten. Bereits die anfängliche Planung der Pflege und Verteilung der Pflichten nimmt einige Zeit in Anspruch. Anstatt diese neben dem Beruf durchzuführen, sollte das Recht auf Arbeitsfreistellung zur Pflege eines Angehörigen in Anspruch genommen werden. Zudem können Pflegeberatung, Ärzte und Sozialamt bei der Organisation behilflich sein.

Realistisch bleiben

Frühstück zubereiten, Kinder für die Schule fertigmachen, Schul- und Arbeitsessen packen, den Vater versorgen, Arbeit, Einkauf, weitere Pflege, Haushalt, Hausaufgaben kontrollieren, kochen – für viele mag eine derartige Belastung bereits auf dem Papier unvorstellbar sein. Für noch mehr Menschen ist genau das Realität. Zeit und Energie werden zur Mangelware.
Dabei sollte klar sein, dass durch einen Pflegefall unweigerlich Abstriche gemacht und Prioritäten neu gesetzt werden müssen. Die notwendige zusätzliche Zeit findet sich nicht einfach im ohnehin schon vollen Tagesplan. Besser als allesDas heißt nun nicht, dass alles Liebgewonnene gestrichen werden sollte. Es ist aber sinnvoll, zeitfressende Gewohnheiten neu zu überdenken. Müssen die Kinder beispielsweise wirklich selbst zur Schule gebracht werden oder ließe sich hierfür eine andere Lösung finden? Sind Hobby, Verein oder andere regelmäßige Treffen wichtig und tun sie gut oder stellen sie eine Mehrbelastung dar? Die tägliche Planung sollte realistisch sein und auch Zeitpuffer für Unvorhergesehenes einschließen.

Helfen und helfen lassen

Wer die Verantwortung für Kinder, pflegebedürftige Angehörige, Arbeit, Haushalt und die allgemeine Versorgung der Familie trägt, kann sich schnell allein gelassen und überfordert fühlen. Selbst wenn diese nur eine Frage weit entfernt ist, fällt es dennoch oftmals nicht leicht Hilfe und Unterstützung anzunehmen. Dabei ist genau das auf lange Sicht verantwortungsbewusst.

Niemand kann oder sollte dauerhaft derartig viel stemmen müssen, das fällt spätestens dann auf, wenn die eigene Gesundheit darunter leidet. Besser ist es also, die Verpflichtungen auf möglichst viele Schultern aufzuteilen, anderen die Möglichkeit zur Hilfe zu geben und wo immer möglich zu vereinfachen. Die folgenden Anregungen können dabei helfen.

Arbeitgeber und Kollegen über den Pflegefall in der Familie informieren

Eventuell sind andere Schichten, flexiblere Arbeitszeiten oder sogar anteilige Heimarbeit möglich.

Ambulante Pflegedienste, Urlaubsbetreuung, Babysitter und Kinderhort in Anspruch nehmen

Oft gibt es im Umkreis deutlich mehr Betreuungsmöglichkeiten als erwartet, die für Entlastung und weniger Stress sorgen.

Aufgaben, wenn möglich, auf mehrere Familienmitglieder verteilen

Vielleicht kann die Schwester nicht täglich zur Pflege der Mutter zur Verfügung stehen, dafür aber Einkäufe, Arztbesuche und die Reinigung der Wohnung übernehmen. Wer hier gezielt nachfragt und Aufgaben abspricht, anstatt alles auf sich selbst zu laden, kann oft viel Energie und Frust sparen.
Stellt jeder eine Liste auf, auf der vermerkt wird, was möglich ist und was übernommen werden kann, lassen sich damit langwierige Diskussionen vermeiden.

Selbsthilfegruppen und Gleichgesinnte suchen

In zahlreichen Städten finden sich Selbsthilfegruppen für Familien mit Pflegefällen. Hier kann über Belastungen und Sorgen gesprochen werden, es gibt Gespräche mit Gleichgesinnten und sogar Tipps und Erfahrungswerte können ausgetauscht werden. Neben der seelischen Entlastung sind also auch praktische Vorteile möglich. Alternativ finden sich im Bekanntenkreis vielleicht ebenfalls Menschen in ähnlicher Situation. Weitere Anlaufstellen für Gruppen oder ähnliche Hilfe sind beispielsweise Krankenhäuser, Pflege- und Altenheime, Kirchen und das Deutsche Rote Kreuz.

Möglichkeiten zur Vereinfachung erkennen und ergreifen

Ließe sich durch einen Umzug der tägliche Fahrweg erheblich verkürzen? Wäre ein Einzug der zu pflegenden Person denkbar? Könnte wöchentliches Vorkochen Zeit sparen? Ob das Putzen an eine Reinigungsfirma abgegeben wird oder die Versorgung an einen Essensdienst, oft finden sich ganz schnell und preisgünstiger als erwartet Möglichkeiten zur Verringerung des Aufwands.
Wer das problematisch findet, sollte Freunde und Verwandte befragen. Mit einer objektiven Sichtweise lassen sich derartige Möglichkeiten leichter erkennen. Auch eine Kosten-Nutzen-Aufrechnung kann weiterhelfen.

Gemeinsam statt Einsam

Vor allem wenn die Pflege außerhalb der eigenen Wohnung und allein stattfindet, drücken Zeit und schlechtes Gewissen. Zum einen soll das pflegebedürftige Familienmitglied nicht ständig allein gelassen werden, zum anderen rufen die Pflichten zu Hause. Mit ein wenig Kreativität lässt sich das aber oft einfacher lösen als gedacht. Eventuell können die Kinder ihre Hausaufgaben dort erledigen, während der Haushalt versorgt wird. Vielleicht kann auch das Vorkochen hier erfolgen. Zeichnen als Hobby, Papierkram zu erledigen oder Arbeit aus dem Büro mitgenommen? Alles, was keine absolute Ruhe oder Einsamkeit verlangt, kann gleichzeitig zur Gesellschaft dienen. Solange individuelle Besonderheiten und Einschränkungen bedacht werden, lässt sich vieles mit der Pflege oder bloßen Anwesenheit verbinden.

Keine Angst vor Änderungen

Wenn ein Familienmitglied plötzlich zum Pflegefall wird, kann die Welt kopfstehen. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt dabei zumindest anfangs nicht, stattdessen werden schnelle Lösungen benötigt. Leider bleiben diese meist auch dann bestehen, wenn sie sich als wenig passend erweisen. Schlicht, weil eine Gewöhnung stattfindet oder Veränderungen als zu anstrengend und beängstigend empfunden werden. Gerade hierdurch kommt es oftmals zu unnötigem Frust, Stress und finanzieller Belastung.

Besser ist es hier, regelmäßig zu prüfen und zu vergleichen. Sind die festgelegten Zeiten zur Pflege noch optimal? Gibt es schon seit Längerem Probleme mit dem Pflegedienst? Wo etwas nicht zur vollen Zufriedenheit funktioniert, sollte wenn möglich eine Veränderung vorgenommen werden. Erweisen sich die Alternativen als noch schwieriger, kann immer noch zurückgewechselt werden. Empfehlenswert ist es zusätzlich, ein Pflegetagebuch zu führen. Dieses hilft nicht nur dabei Störfaktoren zu erkennen, sondern auch die Zeitplanung besser zu gestalten.

Eigener Freiraum

Kinder, Arbeit, Pflegefall – alles zehrt an den Nerven, verlangt Zeit und Energie. Abzuschalten und zumindest einen Moment für die eigene Fürsorge zu haben fällt da schwer. Genau das ist aber notwendig. Der eine benötigt vielleicht täglich eine Stunde, um beim Joggen den Kopf freizubekommen, der andere findet Kraft und Hoffnung in der wöchentlichen Fortbildung, beim Tanzen, Fernsehen oder im Gespräch mit Freunden.
Statt darauf zu hoffen und zu bauen, dass sich die Zeit schon irgendwann ergeben wird, sollte sie ebenso fest wie alles andere eingeplant werden. Ohne Pardon und Schuldgefühle. Gleiches gilt für die Partnerschaft.

Je fester die Pause eingehalten wird, desto leichter fällt es Sorgen und Co. dann außen vorzulassen. Und umso besser können sich auch die anderen darauf einstellen.

Planung für den Notfall

Wer hat den Vorrang, wenn Pflegefall, Arbeitsstelle und Kinder gleichzeitig die Aufmerksamkeit verlangen? Was, wenn der Pflegende selbst krank wird? Oder einfach mal im Stau steht?
Wer für derlei Situationen vorgeplant hat, kann ruhiger schlafen. Kann zu diesem Zweck nicht auf verlässliche Bekannte, Verwandte oder Freunde zurückgegriffen werden, kann wiederum bei Krankenkasse und Pflegeberatung nachgefragt werden.

Senioren- und behindertengerechter Umbau

Senioren- und behindertengerechter Umbau: Wie baue ich das Haus behindertengerecht um – Tipps rund um die Pflege zu Hause

Wenn Sie einen Angehörigen zu Hause pflegen möchten, dann treten eine Vielzahl an Herausforderungen auf, welche gemeistert werden müssen und können.
Ein wichtiger Punkt ist die Gestaltung des Wohnraumes.
Um Ihnen und Ihrer Familie das Leben zu erleichtern, müssen vielfach bauliche Maßnahmen stattfinden.
Diese können in einigen Fällen von der Pflegekasse bezuschusst werden.

Altersgerecht-wohnen

Senioren- und behindertengerechter Umbau: Das Badezimmer barrierefrei umbauen

Vor dem Umbauen in Mietwohnungen sollte das Einverständnis des Vermieters eingeholt werden. Dieser darf allerdings nur in Ausnahmefällen Widerspruch einlegen.
Bei Auszug kann ein Rückbau verlangt werden, daher ist es möglich, dass der Vermieter eine Kaution verlangt.
Im Badezimmer sind meistens größere Maßnahmen erforderlich. Wannen sind vielfach ungeeignet, da der Einstieg sehr hoch ist.
Dies erschwert die tägliche Nutzung.
Eine Dusche hingegen kann so gestaltet sein, dass keine Erhöhung mehr vorhanden ist.
Mit einem mobilen Hocker und verschiedenen Haltegriffen ausgestattet, wird die Körperpflege erleichtert.
Die Waschbecken sollten ebenfalls in der Höhe angepasst werden, sodass auch mit einem Rollstuhl vor das Becken gefahren werden kann.

 

Senioren- und behindertengerechter Umbau: Türen für den Rollstuhl verbreitern

Viele Türen haben keine ausreichende Breite, um mit einem Rollstuhl hindurchzufahren. Als ausreichend wird im Allgemeinen ein Durchgang von 90 Zentimetern angenommen. Gerade in Fachwerkhäusern oder bei Altbauten verfügen die Türen über eine geringere Größe. Ein Umbau ist bei den meisten Häusern möglich.

Ein Fachunternehmen baut das alte Türblatt und den Rahmen aus und vergrößert die Öffnung. Anschließend wird der neue Rahmen eingesetzt. Die Höhe der Türgriffe ist ebenfalls wichtig, sinnvoll ist eine Anbringungshöhe von rund 85 Zentimetern. Türschwellen erschweren das Schieben des Rollstuhls, daher sollten sie umgebaut werden.

Senioren- und behindertengerechter Umbau: Den Zugang zum Haus ermöglichen

Treppen vor dem Haus erschweren den Zugang. Ein Rampe ist für Rollstühle geeignet, sie darf jedoch nicht zu steil konzipiert werden, da das Schieben ansonsten nur schwer möglich ist. Experten empfehlen eine maximale Steigung von 6 Prozent. Ist die Rampe länger als sechs Meter, dann sollte ein Zwischenpodest eingebaut werden, sodass eine kleine Pause eingelegt werden kann.

Rampe

Vor der Tür muss der Raum ausreichend groß gehalten werden, das Aufschließen der Tür muss problemlos erfolgen können.

Damit ein Rollstuhlfahrer und eine Begleitperson die Rampe benutzen können, sollte sie mindestens über eine Breite von 1,5 Metern verfügen.

Der Bodenbelag muss auch bei Nässe noch rutschfrei sein.

Senioren- und behindertengerechter Umbau: Von einem Stockwerk in das andere gelangen

Durch einen Treppenlift können Sie Treppen überwinden. Wichtig ist dabei, auf eine sichere Konstruktion und eine hohe Leistung zu achten.

Leider kann nicht jede Treppe mit einem Lift ausgestattet werden, da ausreichend Platz vorhanden sein muss und die Treppe nicht zu verschlungen oder eng sein darf.

Treppenlift

Senioren- und behindertengerechter Umbau: Die Kostenübernahme durch die Pflegekasse

Finanzielle Unterstützung können Sie von der Pflegekasse für „Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes“ beantragen.

Das Ziel ist es, pflegebedürftigen Menschen zu ermöglichen, weiterhin in ihrem gewohnten Umfeld zu wohnen und zu Hause gepflegt werden zu können.

Voraussetzung ist, dass die Einstufung in eine Pflegestufe bereits erfolgt ist, also die Pflegebedürftigkeit festgestellt worden ist.

Für jede Maßnahme darf dabei die Höchstgrenze nicht überschritten werden.

Im Einzelfall wird festgelegt, welche Arbeiten als eine Maßnahme gelten.