Überforderung in der häuslichen Pflege

Überfordert: Wenn die Pflege zur untragbaren Last wird

Der beinahe unglaublich Anteil von mehr als 46 Prozent aller Pflegebedürftigen wird zu Hause gepflegt. Allein von den eigenen Angehörigen. Aktuell sind das rund 1,2 Millionen Menschen – und 1,2 Millionen Familienmitglieder, die oft ihre ganze Zeit und Kraft für die eigenen Angehörigen aufwenden. Nicht selten wird aber die Belastung manchmal einfach zu groß – etwa bei der Pflege von demenzkranken Eltern, die permanente Aufsicht brauchen, oder dort, wo die Pflegearbeit, die man zu Hause leistet, auch zur körperlichen Herausforderung wird.

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Gesundheit

Emotionale Grundversorgung: Wir brauchen mehr als Nahrung, Kleidung und Medikamente

Wenn es um die Debatte der Pflegequalität in Heimen geht, wird ein Punkt immer wieder konsequent übersehen: die emotionalen Bedürfnisse der Menschen, die in Heimen leben. Die Grundversorgung mit Nahrung, Medikamenten und in Bezug auf die Körperpflege ist eben genau nur das: eine Grundversorgung. Die Bedürfnisse von Menschen in Heimen gehen aber tatsächlich weit darüber hinaus. Erst wenn es uns gelingt, in der hospitalisierten Pflege auch diesen Bedürfnissen optimal gerecht zu werden, können wir von einem wirklichen Pflegefortschritt reden.

Kritik an der Pflegeplanung

Viele Angehörige pflegen ihre Eltern selbst – mit dem Hinweis, sie würden es nicht übers Herz bringen, ihre Eltern der „unmenschlichen“ Pflege im Heim zu überlassen. In Deutschland betrifft das mehr als 1,8 Millionen Menschen. Eine ganze gewaltige Menge also immerhin – nämlich jeden 40. Deutschen. Und in Zukunft werden es wohl noch viel, sehr viel mehr.

Dabei wird aber selten klar, was denn eigentlich so „unmenschlich“ an der hospitalisierten Pflege ist. Die wenigsten Befragten können darauf wirklich eine klare Antwort geben. Dieser Beitrag soll deshalb einmal etwas näher zu beleuchten versuchen, welche Bedürfnisse Menschen eigentlich tatsächlich in ihrem Leben haben – und welche davon in Pflegeheimen manchmal nur sehr eingeschränkt oder gar nicht erfüllt werden können.

Das Bedürfnis nach Anerkennung und Wahrgenommen-Werden

Jeder Mensch ist einzigartig. Nicht nur von seinem Äußeren her, sondern auch von seiner Persönlichkeit, in seinen Vorlieben und Abneigungen, in seinen Werten und Vorurteilen. Und jeder alte Mensch hat eine ganz eigene Lebensgeschichte hinter sich, die auf all diesen Dingen beruht, und deshalb ebenfalls völlig einzigartig ist.

Natürlich möchte auch jeder in seinen ganz individuellen Eigenarten wahrgenommen werden. Aber nicht nur wahrgenommen, sondern eben auch wertgeschätzt.

Wenn wir als Gesellschaft ehrlich sind, tun wir uns damit genau genommen schon in Kindergärten schwer. Individualität und Persönlichkeit wirklich und ehrlich wertzuschätzen, fällt Institutionen und uns als Gesellschaft im Ganzen grundsätzlich nicht leicht. „Funktionieren“ hat immer einen höheren Stellenwert als Einzigartigkeit. Gerade wenn es um das Ende eines Lebens geht, sollten wir uns aber vielleicht doch zu der Einstellung durchringen, dass „Funktionieren“ hier nicht mehr die höchste Priorität hat. Sondern die letzten Jahre eines ganz individuellen, einzigartigen Lebens auch ausreichend wertschätzen, würdigen und gelten lassen.

Das Bedürfnis nach Austausch

Menschen sind Herdentiere und Gemeinschaftswesen. Das ändert sich auch im Alter nicht. Wir suchen soziale Kontakte, Bindungen und Freundschaften. Wir wollen uns austauschen, wollen uns selbst im anderen erkennen, und wollen im Gespräch erkennen, wo wir anders sind, als unser Gegenüber.

Das braucht Zeit, Offenheit und intensives Zuhören. Viele Menschen haben das ihr Leben lang nie richtig gelernt. Genau hier, im Pflegeheim, besteht aber die Möglichkeit, eben das nachzuholen. Sich selbst noch einmal an anderen zu reflektieren, eigene Ansichten weitergeben, und von anderen etwas lernen. Jeder hat etwas zu geben.

Es geht darum, eine Gesprächskultur zu schaffen, die bereichernd ist, die erfüllend ist in dem Sinn, dass sie den Tag mit Dingen erfüllt, die für uns wertvoll sind – und für andere. Wo auch der einzelne alte Mensch die Möglichkeit hat, anderen etwas mitzugeben, das für sie wertvoll sein kann. Und das sie auch annehmen wollen.

Das Bedürfnis nach Abwechslung

Routine beruhigt Menschen. Vertraute Gewohnheiten geben dem Leben Struktur und Ordnung, Rituale helfen uns, uns zu orientieren. Zuviel Routine aber ermüdet, lähmt und lässt einen innerlich wegtreten. Wenn die Routine die Kontrolle übernimmt, verliert man selbst die Kontrolle über die Dinge. Und das macht oft zornig, bockig, oder einfach frustriert.

Routinen sind wichtig für eine effiziente Grundversorgung, daran ist nicht zu rütteln. Bis zu einem gewissen Grad ist sie auch für die Heimbewohner eine Hilfe, sich in ihrem Tag und ihrem Umfeld zu orientieren. Zu sehr durchorganisierte Routinen verbannen aber auch jedes echte, menschliche und menschenwürdige Leben aus dem Heim. Der Heimaufenthalt wird zum nach der Uhr geplanten, genau strukturierten, ewig gleichen Warten auf den Tod.

Wir verschließen vor dieser Tatsache immer gerne ein wenig die Augen – aber wir sollten ganz einfach auch abseits jeglicher Effizienzplanung und Personal-Spar-Aktionen nicht aus den Augen verlieren, dass es hier um Menschen geht. Menschen, die vor dem letzten Rest ihres Lebens stehen, und die gerne noch etwas fröhlich und unbeschwert und unbekümmert leben wollen. Und etwas er-leben wollen. Sie wollen nicht routiniert zu Tode gepflegt werden.

Das Bedürfnis nach Liebe

Auch das Thema körperliche Liebe im Alter ist ein Tabu-Thema, das öffentlich so gut wie nie angesprochen wird. Kaum jemand weiß, dass es spezielle Services für den Bereich der Behinderten- und Altenbetreuung gibt. Weil es eben auch im Alter die gleichen Bedürfnisse gibt, wie in jüngeren Jahren. Aber das wollen wir selbst nicht so gerne wahrnehmen, und reden uns deshalb meist lieber ein, dass dem ohnehin nicht so wäre, und wir uns darum also nicht zu kümmern bräuchten. Das ist aber schlicht ignorant.

Ganz abseits von der körperlichen Liebe hat aber auch jeder Mensch ein Bedürfnis nach Nähe und nach Zärtlichkeit, nach Intimität, Vertrautheit und einer engen Beziehung. Das ist ganz einfach natürlich. Es gehört ganz einfach zu unserem Menschsein.

Für viele ist es ohnehin schwierig, sich nach einem meist zum Großteil mit einem vertrauten Partner verbrachten Leben wieder auf jemand Neues einzulassen. Dem bestehenden Bedürfnis nach Liebe gerecht zu werden, und es anzuerkennen, würde aber auch bedeuten, Menschen aktiv dabei zu helfen, diese Hemmnisse zu beseitigen, um auch wieder die Möglichkeit zu haben, ein wenig Erfüllung zu finden.

Auch wenn diese „wirren Gefühle“ dann eine ausgeklügelte Pflegeplanung zu stören scheinen – oder lediglich unsere eigenen Vorurteile. Schon bei unseren eigenen Kindern in der Pubertät fällt es uns schwer, diese „wirren Gefühle“ zuzulassen, zu akzeptieren und auch noch gutzuheißen – bei alten Menschen fällt es uns anscheinend noch viel schwerer. Wir nehmen sie deshalb lieber gleich gar nicht wahr.

Das Bedürfnis nach Selbstbestimmung

Die Freiheit des einen hört dort auf, wo die Freiheit des anderen beginnt. Oder einfach die Allmacht der alles regelnden und organisierenden Pflegeplanung. Das ist einer der häufigsten Konfliktpunkte zwischen alten Menschen und ihren Heimverwaltungen. Und natürlich gibt es in diesen Kämpfen fast immer nur einen Verlierer.

Oft genug geht es dabei nur um ganz kleine Dinge, um ein bisschen Privatsphäre, und um ein bisschen Selbstbestimmung. Um ein kleines Stückchen „Ich-sein-dürfen“. Vieles wäre mit etwas gutem Willen wahrscheinlich auch problemlos machbar. Allerdings kosten viele kleine Ausnahmen auch eine große Menge Zeit und Einsatz. Zeit ist aber bekanntlich Geld, und wo der schnöde Mammon den Erhalt eines ganzen Systems oder eben seinen Untergang regelt, ist kein Platz für Ausnahmen und Ineffizienz. Es geht einfach nicht, heißt es. Traurig, aber in den meisten Fällen können sich sogar Gefängnisinsassen eine Vielzahl mehr Freiheiten und Ausnahmen verdienen, als alte Menschen im Heim. Und die haben noch nicht einmal etwas verbrochen. Sie sind nur alt.

Die Herausforderung für die nächsten Jahrzehnte

Es liegt an uns, einmal einen Schritt zurückzutreten, und in all den erbittert geführten Debatten um die Pflegekosten, um Effizienz und Personaleinsatz und um eine „medizinisch korrekte“ Pflege wieder einmal den ganz einfachen Menschen ins Auge zu fassen.

Bedürfnisse zu sehen, und anzuerkennen, die wir selbst auch haben. Und genau das einmal in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen zu stellen, und Systeme zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Menschen gerecht werden – und nicht den Investoren in Pflegeheime oder dem Wunsch der Gesellschaft nach einer effizienten und korrekten Versorgung alter Menschen und einer geordneten Aufbewahrung bis zum Tod.

Denn schließlich ist die Art, wie eine Gesellschaft mit ihren Alten umgeht, immer der eindeutige Spiegel ihrer eigenen Menschlichkeit – oder Unmenschlichkeit.
Private Pflegeversicherung

Gut versorgt dank einer flexiblen Pflegeversicherung

Sie werden mit großer Wahrscheinlichkeit pflegebedürftig. Wie schaffen Sie es, dabei nicht arm zu werden?
Sparschwein
Es gibt zwei Dinge, die Sie zum Thema Pflege und Pflegeversicherung wissen müssen. Zum einen, Ihre Chance im Laufe Ihres Lebens pflegebedürftig zu werden, schätzen die Experten aktuell mit 50%. Tendenz – leider! – steigend. Zum anderen, die staatliche Pflegeversicherung reicht mit Sicherheit nicht aus, um die Pflegekosten zu finanzieren. Sie (oder Ihre Verwandte) müssen höchstwahrscheinlich auf eigene Ersparnisse zurückgreifen.

Sind Sie sicher, dass Sie genug Geld haben?

Pflege-Bahr – Private Vorsorge, vom Staat gefördert

Der Staat erkennt die Unzulänglichkeiten der gesetzlichen Pflegeversicherung und die Notwendigkeit der privaten Vorsorge. Um Versorgungslücke zu schließen, werden die Verträge für private Pflegeversicherung durch die sog. Pflege-Bahr mit 5,- Euro monatlich gefördert. Der Vorteil dieser Förderung ist ihre Offenheit: Jeder Bürger über 18 Jahre darf einen Versicherungsvertrag mit einem der geförderten Tarife abschließen. Außerdem werden vor dem Vertragsschluss keine Gesundheitsfragen gestellt.

Pflege-Bahr weist aber auch einige Nachteile auf. Einerseits sind die geförderten Tarife oft teurer – das ist die Kehrseite der fehlenden Gesundheitsprüfung. Andererseits, werden oft die Beiträge auch im Leistungsfall eingezogen, was verständlicherweise die finanzielle Leistung mindert. Drittens, bei den durch Pflege-Bahr geförderten Tarifen handelt es sich immer um Tagegeld oder Monatsgeld, was für die Kunden mangelnde Flexibilität bei der Gestaltung ihrer Pflegeversicherung bedeutet.

Flexibel und günstig – Private Pflegevorsorge

Private (nicht an Pflege-Bahr gekoppelte) Pflegevorsorge bringt den Leistungsnehmern mehrere Vorteile. Diese Pflegeversicherung kann als Tagegeld bzw. Monatsgeld, als Kosten- oder auch als Pflegerentenversicherung abgeschlossen werden. Bei der Pflegetagegeld-Versicherung erhält der Versicherungsnehmer eine im voraus bestimmte Geldsumme, die von der Pflegestufe abhängig ist. Dabei kann der Kunde bei den gestaffelten Tarifen nur die Auszahlungen für die Pflegestufe III festlegen, das Tagegeld für Pflegestufe II und I, sowie 0, wird als Prozentsatz von der Höchstleistung bestimmt.

Beim modularen Aufbau kann der Versicherungsnehmer die Leistung für jede Pflegestufe einzeln festlegen. Diese Form ist flexibel, da der Patient und pflegende Angehörige nach eigenem Ermessen über das Geld verfügen können. Bei der Pflegekosten-Versicherung deckt der Versicherer die Pflegelücke, also den Unterschied zwischen den Leistungen der staatlichen Pflegeversicherung und den faktischen Pflegekosten. Beim Abschließen des Vertrags kann der Leistungsnehmer selbst bestimmten, zu welchem Teil die Pflegelücke geschlossen werden soll.

Beide Tarife – Pflegetagegeld- und Pflegekosten-Versicherung können miteinander kombiniert werden. Pflegekosten-Versicherung gibt dem Versicherungsnehmer ein hohes Maß an Sicherheit, denn er oder sie weiß: Egal, wie hoch die tatsächlichen Kosten meiner Pflege ausfallen, diese werden garantiert zu einem großen Teil vom Versicherer gedeckt. Des Weiteren kann eine private Pflegevorsorge als eine Form der Lebensversicherung gestaltet werden. Bei der Pflegerenten-Versicherung erhält der Versicherungsnehmer im Leistungsfall eine im Voraus vereinbarte Rente.

Vor dem Abschluss Ihrer privaten Pflegeversicherung denken Sie an diese drei Dinge:

1. Demenz ist ein schweres Schicksal. Achten Sie darauf, dass Ihr Versicherer auch bei Demenz (Pflegestufe 0) leistet;

2. Beitragsfrei im Leistungsfall: Wenn Sie Beiträge auch im Leistungsfall zahlen müssen, verringert sich um diese Summe die empfangene Leistung;

3. Nutzen Sie den umfangreichen Tarifvergleich, ziehen Sie Experten zurate, um einen Vertrag zu den für Sie persönlich besten Konditionen abzuschließen.

Mit der Mehrfachbelastung richtig umgehen

Pflegefall, Familie, Beruf und eigene Ziele – mit der Mehrfachbelastung umgehen

Die Anforderungen im Beruf und der anstrengende Alltag zuhause sind häufig schon mehr als genug zu stemmen. Kommt dann noch ein Pflegefall in der Familie hinzu, bleiben nicht nur die eigenen Ziele oftmals auf der Strecke. Dabei muss aber niemand zum erschöpften Versorger verkommen, wenn er Möglichkeiten der Hilfe kennt und nutzt.

Plötzlich Pflegefall

Ob Unfall oder Krankheit, wenn ein Familienmitglied zum Pflegefall wird, gilt es einiges zu beachten. Bereits die anfängliche Planung der Pflege und Verteilung der Pflichten nimmt einige Zeit in Anspruch. Anstatt diese neben dem Beruf durchzuführen, sollte das Recht auf Arbeitsfreistellung zur Pflege eines Angehörigen in Anspruch genommen werden. Zudem können Pflegeberatung, Ärzte und Sozialamt bei der Organisation behilflich sein.

Realistisch bleiben

Frühstück zubereiten, Kinder für die Schule fertigmachen, Schul- und Arbeitsessen packen, den Vater versorgen, Arbeit, Einkauf, weitere Pflege, Haushalt, Hausaufgaben kontrollieren, kochen – für viele mag eine derartige Belastung bereits auf dem Papier unvorstellbar sein. Für noch mehr Menschen ist genau das Realität. Zeit und Energie werden zur Mangelware.
Dabei sollte klar sein, dass durch einen Pflegefall unweigerlich Abstriche gemacht und Prioritäten neu gesetzt werden müssen. Die notwendige zusätzliche Zeit findet sich nicht einfach im ohnehin schon vollen Tagesplan. Besser als allesDas heißt nun nicht, dass alles Liebgewonnene gestrichen werden sollte. Es ist aber sinnvoll, zeitfressende Gewohnheiten neu zu überdenken. Müssen die Kinder beispielsweise wirklich selbst zur Schule gebracht werden oder ließe sich hierfür eine andere Lösung finden? Sind Hobby, Verein oder andere regelmäßige Treffen wichtig und tun sie gut oder stellen sie eine Mehrbelastung dar? Die tägliche Planung sollte realistisch sein und auch Zeitpuffer für Unvorhergesehenes einschließen.

Helfen und helfen lassen

Wer die Verantwortung für Kinder, pflegebedürftige Angehörige, Arbeit, Haushalt und die allgemeine Versorgung der Familie trägt, kann sich schnell allein gelassen und überfordert fühlen. Selbst wenn diese nur eine Frage weit entfernt ist, fällt es dennoch oftmals nicht leicht Hilfe und Unterstützung anzunehmen. Dabei ist genau das auf lange Sicht verantwortungsbewusst.

Niemand kann oder sollte dauerhaft derartig viel stemmen müssen, das fällt spätestens dann auf, wenn die eigene Gesundheit darunter leidet. Besser ist es also, die Verpflichtungen auf möglichst viele Schultern aufzuteilen, anderen die Möglichkeit zur Hilfe zu geben und wo immer möglich zu vereinfachen. Die folgenden Anregungen können dabei helfen.

Arbeitgeber und Kollegen über den Pflegefall in der Familie informieren

Eventuell sind andere Schichten, flexiblere Arbeitszeiten oder sogar anteilige Heimarbeit möglich.

Ambulante Pflegedienste, Urlaubsbetreuung, Babysitter und Kinderhort in Anspruch nehmen

Oft gibt es im Umkreis deutlich mehr Betreuungsmöglichkeiten als erwartet, die für Entlastung und weniger Stress sorgen.

Aufgaben, wenn möglich, auf mehrere Familienmitglieder verteilen

Vielleicht kann die Schwester nicht täglich zur Pflege der Mutter zur Verfügung stehen, dafür aber Einkäufe, Arztbesuche und die Reinigung der Wohnung übernehmen. Wer hier gezielt nachfragt und Aufgaben abspricht, anstatt alles auf sich selbst zu laden, kann oft viel Energie und Frust sparen.
Stellt jeder eine Liste auf, auf der vermerkt wird, was möglich ist und was übernommen werden kann, lassen sich damit langwierige Diskussionen vermeiden.

Selbsthilfegruppen und Gleichgesinnte suchen

In zahlreichen Städten finden sich Selbsthilfegruppen für Familien mit Pflegefällen. Hier kann über Belastungen und Sorgen gesprochen werden, es gibt Gespräche mit Gleichgesinnten und sogar Tipps und Erfahrungswerte können ausgetauscht werden. Neben der seelischen Entlastung sind also auch praktische Vorteile möglich. Alternativ finden sich im Bekanntenkreis vielleicht ebenfalls Menschen in ähnlicher Situation. Weitere Anlaufstellen für Gruppen oder ähnliche Hilfe sind beispielsweise Krankenhäuser, Pflege- und Altenheime, Kirchen und das Deutsche Rote Kreuz.

Möglichkeiten zur Vereinfachung erkennen und ergreifen

Ließe sich durch einen Umzug der tägliche Fahrweg erheblich verkürzen? Wäre ein Einzug der zu pflegenden Person denkbar? Könnte wöchentliches Vorkochen Zeit sparen? Ob das Putzen an eine Reinigungsfirma abgegeben wird oder die Versorgung an einen Essensdienst, oft finden sich ganz schnell und preisgünstiger als erwartet Möglichkeiten zur Verringerung des Aufwands.
Wer das problematisch findet, sollte Freunde und Verwandte befragen. Mit einer objektiven Sichtweise lassen sich derartige Möglichkeiten leichter erkennen. Auch eine Kosten-Nutzen-Aufrechnung kann weiterhelfen.

Gemeinsam statt Einsam

Vor allem wenn die Pflege außerhalb der eigenen Wohnung und allein stattfindet, drücken Zeit und schlechtes Gewissen. Zum einen soll das pflegebedürftige Familienmitglied nicht ständig allein gelassen werden, zum anderen rufen die Pflichten zu Hause. Mit ein wenig Kreativität lässt sich das aber oft einfacher lösen als gedacht. Eventuell können die Kinder ihre Hausaufgaben dort erledigen, während der Haushalt versorgt wird. Vielleicht kann auch das Vorkochen hier erfolgen. Zeichnen als Hobby, Papierkram zu erledigen oder Arbeit aus dem Büro mitgenommen? Alles, was keine absolute Ruhe oder Einsamkeit verlangt, kann gleichzeitig zur Gesellschaft dienen. Solange individuelle Besonderheiten und Einschränkungen bedacht werden, lässt sich vieles mit der Pflege oder bloßen Anwesenheit verbinden.

Keine Angst vor Änderungen

Wenn ein Familienmitglied plötzlich zum Pflegefall wird, kann die Welt kopfstehen. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt dabei zumindest anfangs nicht, stattdessen werden schnelle Lösungen benötigt. Leider bleiben diese meist auch dann bestehen, wenn sie sich als wenig passend erweisen. Schlicht, weil eine Gewöhnung stattfindet oder Veränderungen als zu anstrengend und beängstigend empfunden werden. Gerade hierdurch kommt es oftmals zu unnötigem Frust, Stress und finanzieller Belastung.

Besser ist es hier, regelmäßig zu prüfen und zu vergleichen. Sind die festgelegten Zeiten zur Pflege noch optimal? Gibt es schon seit Längerem Probleme mit dem Pflegedienst? Wo etwas nicht zur vollen Zufriedenheit funktioniert, sollte wenn möglich eine Veränderung vorgenommen werden. Erweisen sich die Alternativen als noch schwieriger, kann immer noch zurückgewechselt werden. Empfehlenswert ist es zusätzlich, ein Pflegetagebuch zu führen. Dieses hilft nicht nur dabei Störfaktoren zu erkennen, sondern auch die Zeitplanung besser zu gestalten.

Eigener Freiraum

Kinder, Arbeit, Pflegefall – alles zehrt an den Nerven, verlangt Zeit und Energie. Abzuschalten und zumindest einen Moment für die eigene Fürsorge zu haben fällt da schwer. Genau das ist aber notwendig. Der eine benötigt vielleicht täglich eine Stunde, um beim Joggen den Kopf freizubekommen, der andere findet Kraft und Hoffnung in der wöchentlichen Fortbildung, beim Tanzen, Fernsehen oder im Gespräch mit Freunden.
Statt darauf zu hoffen und zu bauen, dass sich die Zeit schon irgendwann ergeben wird, sollte sie ebenso fest wie alles andere eingeplant werden. Ohne Pardon und Schuldgefühle. Gleiches gilt für die Partnerschaft.

Je fester die Pause eingehalten wird, desto leichter fällt es Sorgen und Co. dann außen vorzulassen. Und umso besser können sich auch die anderen darauf einstellen.

Planung für den Notfall

Wer hat den Vorrang, wenn Pflegefall, Arbeitsstelle und Kinder gleichzeitig die Aufmerksamkeit verlangen? Was, wenn der Pflegende selbst krank wird? Oder einfach mal im Stau steht?
Wer für derlei Situationen vorgeplant hat, kann ruhiger schlafen. Kann zu diesem Zweck nicht auf verlässliche Bekannte, Verwandte oder Freunde zurückgegriffen werden, kann wiederum bei Krankenkasse und Pflegeberatung nachgefragt werden.

Senioren- und behindertengerechter Umbau

Senioren- und behindertengerechter Umbau: Wie baue ich das Haus behindertengerecht um – Tipps rund um die Pflege zu Hause

Wenn Sie einen Angehörigen zu Hause pflegen möchten, dann treten eine Vielzahl an Herausforderungen auf, welche gemeistert werden müssen und können.
Ein wichtiger Punkt ist die Gestaltung des Wohnraumes.
Um Ihnen und Ihrer Familie das Leben zu erleichtern, müssen vielfach bauliche Maßnahmen stattfinden.
Diese können in einigen Fällen von der Pflegekasse bezuschusst werden.

Altersgerecht-wohnen

Senioren- und behindertengerechter Umbau: Das Badezimmer barrierefrei umbauen

Vor dem Umbauen in Mietwohnungen sollte das Einverständnis des Vermieters eingeholt werden. Dieser darf allerdings nur in Ausnahmefällen Widerspruch einlegen.
Bei Auszug kann ein Rückbau verlangt werden, daher ist es möglich, dass der Vermieter eine Kaution verlangt.
Im Badezimmer sind meistens größere Maßnahmen erforderlich. Wannen sind vielfach ungeeignet, da der Einstieg sehr hoch ist.
Dies erschwert die tägliche Nutzung.
Eine Dusche hingegen kann so gestaltet sein, dass keine Erhöhung mehr vorhanden ist.
Mit einem mobilen Hocker und verschiedenen Haltegriffen ausgestattet, wird die Körperpflege erleichtert.
Die Waschbecken sollten ebenfalls in der Höhe angepasst werden, sodass auch mit einem Rollstuhl vor das Becken gefahren werden kann.

 

Senioren- und behindertengerechter Umbau: Türen für den Rollstuhl verbreitern

Viele Türen haben keine ausreichende Breite, um mit einem Rollstuhl hindurchzufahren. Als ausreichend wird im Allgemeinen ein Durchgang von 90 Zentimetern angenommen. Gerade in Fachwerkhäusern oder bei Altbauten verfügen die Türen über eine geringere Größe. Ein Umbau ist bei den meisten Häusern möglich.

Ein Fachunternehmen baut das alte Türblatt und den Rahmen aus und vergrößert die Öffnung. Anschließend wird der neue Rahmen eingesetzt. Die Höhe der Türgriffe ist ebenfalls wichtig, sinnvoll ist eine Anbringungshöhe von rund 85 Zentimetern. Türschwellen erschweren das Schieben des Rollstuhls, daher sollten sie umgebaut werden.

Senioren- und behindertengerechter Umbau: Den Zugang zum Haus ermöglichen

Treppen vor dem Haus erschweren den Zugang. Ein Rampe ist für Rollstühle geeignet, sie darf jedoch nicht zu steil konzipiert werden, da das Schieben ansonsten nur schwer möglich ist. Experten empfehlen eine maximale Steigung von 6 Prozent. Ist die Rampe länger als sechs Meter, dann sollte ein Zwischenpodest eingebaut werden, sodass eine kleine Pause eingelegt werden kann.

Rampe

Vor der Tür muss der Raum ausreichend groß gehalten werden, das Aufschließen der Tür muss problemlos erfolgen können.

Damit ein Rollstuhlfahrer und eine Begleitperson die Rampe benutzen können, sollte sie mindestens über eine Breite von 1,5 Metern verfügen.

Der Bodenbelag muss auch bei Nässe noch rutschfrei sein.

Senioren- und behindertengerechter Umbau: Von einem Stockwerk in das andere gelangen

Durch einen Treppenlift können Sie Treppen überwinden. Wichtig ist dabei, auf eine sichere Konstruktion und eine hohe Leistung zu achten.

Leider kann nicht jede Treppe mit einem Lift ausgestattet werden, da ausreichend Platz vorhanden sein muss und die Treppe nicht zu verschlungen oder eng sein darf.

Treppenlift

Senioren- und behindertengerechter Umbau: Die Kostenübernahme durch die Pflegekasse

Finanzielle Unterstützung können Sie von der Pflegekasse für „Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes“ beantragen.

Das Ziel ist es, pflegebedürftigen Menschen zu ermöglichen, weiterhin in ihrem gewohnten Umfeld zu wohnen und zu Hause gepflegt werden zu können.

Voraussetzung ist, dass die Einstufung in eine Pflegestufe bereits erfolgt ist, also die Pflegebedürftigkeit festgestellt worden ist.

Für jede Maßnahme darf dabei die Höchstgrenze nicht überschritten werden.

Im Einzelfall wird festgelegt, welche Arbeiten als eine Maßnahme gelten.